«Wissenschaftskommunikation»

Dienstag, 26. Oktober 2004, 13.30 bis 17.00 Uhr Haus der Universität, Saal im UG, Schlösslistrasse 5, 3008 Bern

  1. Wissenschaft in den Medien: Wer die Spielregeln kennt, hat halb gewonnen
    Martin Hicklin, Wissenschaftsautor, Basler Zeitung
  2. Politik tickt anders: Wer klar argumentiert, wird besser gehört
    Theophil Pfister, Nationalrat SVP SG, Präsident Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK), Flawil
  3. Vom Labor zum Leser: Wer sich traut, wird meist belohnt
    Prof. Gottfried Schatz, Präsident Schweizerischer Wissenschafts- und Technologierat (SWTR) bis 2003, Reinach
  4. Die nächste Technologie-Debatte kommt bestimmt: Was haben wir dazu gelernt?
    Prof. Walter P. von Wartburg, Anwalt, LL.M., Kommunikationsberater, Law und Life Sciences, Basel
  5. Zu den Referenten
  6. Teilnehmerliste

1. Wissenschaft in den Medien: Wer die Spielregeln kennt, hat halb gewonnen

Martin Hicklin, Wissenschaftsautor, Basler Zeitung

Wissenschaft, Forschung und Technik stehen in der Hierarchie der Nachrichtennutzung in der Regel eher in unteren Rängen. Nachrichten aus diesen Gebieten zählen mit wenigen Ausnahmen (i.e. Nobelpreise und Skandale) nicht zu den Pflichtstoffen der Berichterstattung, selbst dort nicht, wo man das Medium noch als Chronik versteht. Grund dafür sind, so vermute ich, die fehlenden Grundlagen bei der Kundschaft (im Fussball kennen sich mehr Leute aus als mit Stammzellen) und die ebenso beträchtlichen Lücken in dieser Hinsicht bei den Medienmacher(inne)n selbst. Sie sind darin allerdings möglicherweise exakte Repräsentanten der Aussenwelt, die sie mit ihrer Arbeit bedienen.

Seit die gedruckten Medien ihre wirtschaftlichen Grundlagen wackeln sehen, sind auch die Spielplätze für wissenschaftsjournalistische Arbeiten eher bedroht. Zudem wächst die Versuchung, im Medium den unterhaltenden Anteil zu steigern. Nachrichten aus der Wissenschaft dienen hier gern als Rohmaterial. Doch nicht die Reichweite einer neuen Entdeckung ist in der Regel Grund für eine Publikation, sondern deren Spassgehalt.

Ein Thema, das es ausserhalb von Fait divers und Beilagenghettos in die Spalten einer Tageszeitung schaffen will, muss jedenfalls immer eine Story und eine Schlagzeile hergeben. Wer etwas unter die Leute bringen will, macht da am besten schon einen guten Vorschlag. Wie man das macht, dafür geben die grossen Wissenschaftsjournals mit der Promotion ihrer Inhalte unter Wissenschafts­journalist(inn)en ein gutes Beispiel. Sie deuten schon an, was die Schlagzeile sein könnte, und zielen auf die journalistischen Reflexe. Ein gutes Stück Hype braucht's, um im Nachrichtenmeer Beachtung zu finden. Die Transmissionsriemen sind dann vielleicht anders als bisher. Fiktives Beispiel: Für (entzündete) Anatomie interessieren sich wohl viel mehr Leute, wenn man sie anhand von FCB-Captain Murat Yakin erläutern kann.

Die Situation ist nicht unbedingt nur düster: Noch nie gab es so viele kompetente (möglicherweise aber arbeitslose oder falsch beschäftigte) Wissenschaftsjournalist(inn)en wie heute, noch nie waren dank Internet und seinen Kanälen die Nachrichtenquellen und die Möglichkeiten der Überprüfung so gut - und werden laufend besser. Die Kunst besteht darin, die edlen Treibhölzer aus der wachsenden Flut zu fischen und dabei nicht unterzugehen. Die viel zitierten Elfenbeintürme sind längst nicht mehr aus Elfenbein und haben mittlerweile weit offene Türen. Soll einfach mal einer kommen. Vielleicht wird es in Zukunft auch nicht mehr als berufsschädigend gewertet, wenn ein Mitglied der Science Community auch ohne Nobelpreis den Kopf heraus hält, um als Mensch greifbar zu werden.

Innovation sei unser wichtigster Rohstoff, heisst es gern. Des Erfindungsreichtums bedarf es auch, wenn man Wege finden will, wie die Menschen mehr für den Fortschritt und seine Konsequenzen interessiert und informiert werden können.


2. Politik tickt anders: Wer klar argumentiert, wird besser gehört

Theophil Pfister, Nationalrat, Flawil SG, Präsident Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur

Politik und Forschung sind Partner. Sie sind es gezwungenermassen, da die Geldmittel für die öffentliche Forschung durch die Politik zur Verfügung gestellt werden. Bei der Mittelverteilung hat die Politik grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten:
a) Die Verteilung auf Vertrauensbasis, im Vertrauen darauf, dass die Forschung besser als die Politik in der Lage ist, das Bestmögliche aus den verteilten Mitteln zu erzielen.
b) Die Verteilung aufgrund von Zielen und Vorgaben mit Kontrollen und Berichten, auf deren Basis die Politik wiederum Entscheide fällen kann.
In der Realität erleben wir eine Mischform, um die gerungen wird.

Politiker sind Volksvertreter und in der Regel nicht darauf spezialisiert, Wissenschaft zu verwalten. Sie erhalten - sofern sie dies wollen - sehr breit gefächerte Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Gleichzeitig werden auch Wünsche und Forderungen an sie herangetragen. Ihre Aufgabe ist es, aus all den verschiedenen Interessen eine Auswahl zu treffen.

Die Denkweise eines Politikers kann ich den Forschenden am besten in Form von Fragen näher bringen, die ich mir bei meiner politischen Arbeit immer wieder stelle: Wozu dient die Forschung? Um der Volkswirtschaft zu dienen? Um die Neugierde zu befriedigen? Um der Menschheit zu dienen? Um Interessantes zu finden, Wissen zu mehren? Um publizieren und reisen zu können, Prestige zu erlangen? Um die Natur zu schützen oder sie zu konservieren? Um die Lehre interessant und effizient gestalten zu können? Um das Ansehen unseres Landes zu erhöhen? Um den Gefahren des Lebens zu begegnen? Um Fragen zur Gesellschaft zu lösen? Um die Regierungstätigkeit zu unterstützen?

Für die Politiker geht es dabei letztlich um die Kernfrage: Welche Resultate erwarten sie von der Forschung? Volkswirtschaftlichen Nutzen? Prestigeerfolge? Befriedigung der Neugierde? Hilfe für die Menschheit? Hilfe für Natur, Kreatur oder Klima?
Ich bin der Meinung, dass bei dieser Auswahl der volkswirtschaftliche Nutzen absolut dominierend sein muss, gerade vor dem Hintergrund unserer Möglichkeiten als Kleinstaat. Das bedeutet nicht, dass für die anderen Bereiche nichts getan werden sollte. Aber sie sind nachrangig, womit sich auch einige der oben gestellten Fragen in der Tendenz beantworten lassen.

Als Nächstes stellen sich für mich folgende Fragen: Welche Resultate bringt die Forschung wirklich? Wie messe ich überhaupt den Erfolg der Forschung? Was ist gute und was ist schlechte Forschung? Was kostet die Forschung? Ist das Verhältnis von Kosten und Nutzen noch positiv? Was darf die Forschung kosten? Welches Vertrauen kann ich ihr schenken? Welche Risiken bringt sie? Nach welchem Massstab soll entschieden werden? Politischer Opportunität? Vermutetem Nutzen für unser Land oder für die Menschheit? Der Meinung der Bevölkerung oder parteipolitischen Vorgaben?

Hier öffnet sich ein sehr weites Feld an Einschätzungen. Politik und Forschung sind aber Partner, die zwar sehr unterschiedlich sind, letztlich aber eine gemeinsame Aufgabe haben. In der Politik werden die Ziele dieser gemeinsamen Aufgabe jedoch unterschiedlich ausgelegt.

Zentral in diesem Zusammenhang ist Transparenz. Die Politik braucht Aussagen über messbare Ziele, Risiken, Chancen, Wahrscheinlichkeiten, mögliche Nebenwirkungen und Nebennutzen und dies alles in messbaren Grössen. Die Forschenden müssen klarere Aussagen machen, die Ziele, das Vorgehen sowie die Kosten extern überprüfen und bewerten lassen. Ich gehe davon aus, dass gerade mit der Schaffung neuer Datenbanken, mit dem Trend nach Transparenz und umfassendem Monitoring, mit Evaluationen und mit dem wirtschaftlich härteren Umfeld bald einmal Fragen nach Kosten und Nutzen verstärkt zutage treten. Publikationserfolge allein treten dadurch eventuell in den Hintergrund.

Wer sich in seiner Tätigkeit darauf abstützen kann, dass der Nutzen für unser Land und unsere Volkswirtschaft grösser ist als die Kosten, hat es leichter in seiner Argumentation. Forscher sollten daher nicht über die Zahl der Arbeitsplätze reden, welche die öffentliche Forschung anbietet, da diese ja zu praktisch 100% subventioniert werden. Sie sollten über den Nutzen reden, den ihre Forschung bringt. Und Forscher sollten nicht darüber reden, dass sie nur 80% arbeiten, oder dass sie sogar ein Job sharing betreiben. Wer forscht, kann seine Kraft und Intelligenz nicht teilen.

Wissenschafter können die Freiheit der Forschung betonen, wenn gleichzeitig auch glaubhaft ist, dass dadurch die Ergebnisse besser sind. Forschungsfreiheit als Dogma wird von den Politikern nicht verstanden. Die Argumentation für eine Forschung, die der ganzen Menschheit und nicht der eigenen Volkswirtschaft Nutzen bringt, ist dann vertretbar, wenn diese Forschung auch einen entsprechenden politischen Auftrag hat. Die Forschungsfreiheit für diese Ausrichtung zu bemühen, empfinde ich als unzulässig.

Wer öffentliche Gelder bekommen will, hat für Transparenz zu sorgen, denn Forschung verlangt Vertrauen und Glaubhaftigkeit. Forschung kann nicht immer erfolgreich sein. Die Politiker wollen möglichst alle Ergebnisse und deren Bewertung kennen oder zumindest Zugriff auf solche Informationen haben. Wer nur Erfolge meldet, ist nicht vertrauenswürdig.

Wissenschafter sollten von der Politik, insbesondere der Legislative, keine verlässlichen Antworten erwarten. Verlässlichkeit ist nur über klar gestaltete Regelungen und Verträge zu sichern.


3. Vom Labor zum Leser: Wer sich traut, wird meist belohnt

Prof. Dr. Gottfried Schatz, Präsident Schweizerischer Wissenschafts- und Technologierat (SWTR) 2000-2003, Reinach

Während meiner nicht immer angenehmen Amtszeit als Präsident des SWTR zählten meine Treffen mit Journalistinnen und Journalisten zu den angenehmsten Erlebnissen. Von den 27 grossen und 76 kurzen Interviews, die ich als SWTR-Präsident gab, habe ich nur ein einziges in schlechter Erinnerung. Ich folgte in diesen Interviews keinem Schema, sondern versuchte, folgende Grundsätze zu beachten.

  1. Gleich zu Anfang erfragte ich den bisherigen Ausbildungsweg des(r) Journalisten(in), um die richtige Sprache und einen persönlichen Zugang zu finden. Journalisten sind oft Uni-Absolventen, und nicht wenige hatten sogar meine Vorlesung besucht. Dies sorgte natürlich für eine entspannte und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre.
  2. Als Nächstes sicherte ich völlige Offenheit zu, falls mir zugesichert würde, dass ich den Text des Interviews vor der Publikation korrigieren dürfte. Dabei betonte ich stets, dass ich die Korrektur prompt erledigen und die journalistische Freiheit respektieren würde.
  3. Ich versuchte nie, Dinge zu verbergen oder zu beschönigen. Journalisten haben ein feines Gespür für Halbwahrheiten und Lügen und schätzen Ehrlichkeit und Offenheit. Bald holten viele Journalisten bevorzugt bei mir Auskunft über brisante Themen, weil, wie sie sagten, ich stets Klartext spräche. Natürlich musste ich dafür bei Politik und Verwaltung gelegentlich meinen Preis bezahlen.
  4. Fachausdrücke und Fremdwörter mied ich, so gut ich es konnte.
  5. Ich versteckte meine Emotionen nicht, sondern zeigte bewusst meine Begeisterung für die Forschung und für wissenschaftspolitische Anliegen wie akademische Nachwuchsförderung und die "zweckfreie" Grundlagenforschung. Echte Begeisterung kann sogar für routinierte Journalisten ansteckend sein!
  6. Wenn immer möglich, zog ich mich vor jedem Interview in eine stille Ecke zurück und dachte darüber nach, was ich zu sagen hätte - und wie ich es sagen könnte. Gute Anekdoten oder witzige Bemerkungen helfen den Interviewern, einen guten Text zu schreiben.
  7. Nach einigen unangenehmen Überraschungen bat ich stets darum, vor der Publikation auch die Haupt- und Nebenüberschriften des Artikels sehen zu können. Konfrontative Interviews scheinen sich gut zu verkaufen, und ein ausgewogenes Interview kann durch aggressive Überschriften schnell einen aggressiven Charakter erhalten.

4. Life-Sciences-Kommunikation: "Aus Fehlern lernen"

Prof. Dr. Walter P. von Wartburg, Advokat, LL.M., Law & Life Sciences, Basel

Fehler 1: Mangelnde kommunikatorische Vorbereitung
Empfehlung: Kommunikation im Life-Sciences-Bereich bedarf der besonderen Vorbereitung, da die Themata oft mit Ängsten und Risikovorstellungen beim Adressaten verbunden sind. Üben Sie den Ernstfall.
Bsp.: Üben Sie in der Rolle als Interviewer, um zu merken, wie schwierig die Fragen sein können. Sie fürchten sich dann weniger im Interview selbst.

Fehler 2: Zu wenig präziser Fokus bei Life-Sciences-Themata
Empfehlung: Über Biotechnologie soll nicht generell gesprochen werden. Stets ist beispielsweise zu präzisieren, welche Art von Gentherapie gemeint ist, über welche Form von Stammzellen man spricht, wie es sich mit transgenen Tieren verhält oder welche Form von GVO welche Nutzen oder Risiken aufweist.
Bsp.: Gentechnologie, Fertilitätstechniken, Krebsmäuse, Präimplantationsdiagnostik und Stammzellentherapie werden in Stammtischgesprächen oft in den gleichen Topf geworfen.

Fehler 3: Blosse Informationsvermittlung statt Kommunikation
Empfehlung: Kommunikation ist immer zugleich Informationsvermittlung und Überzeugungstransfer. Kommunizieren heisst "Wahrnehmungen" erzeugen, festigen oder verändern. Wahrnehmungen sind jene Sachverhalte, welche als "wahr" genommen werden. Wenn über fünfzig Prozent der Angesprochenen etwas als wahr nehmen, so entsteht daraus Realität.
Bsp.: Gendiagnostik, Nanobiotechnologie und andere Begriffe aus dem Life-Sciences-Bereich sind bei dem Adressaten keine Realitäten, sondern diffuse Wahrnehmungen, die es konkret zu gestalten gilt.

Fehler 4: Rationale Erklärungen statt empathischer Kommunikation
Empfehlung: Die betroffene Öffentlichkeit durch gezielte Fragen in die Life-Sciences-Thematik involvieren. Nur so können spezifische Interessenlagen ergründet werden. Blosse rationale Erklärungen bringen wenig. Das Publikum will in der Regel nicht Mechanismen verstehen, sondern Folgen, Auswirkungen etc. begreifen.
Bsp.: Erklärung der 'double helix' oder von 'splicing practices', auch wenn von einem Nobelpreisträger vorgetragen, schaffen höchstens rationales Verständnis, nicht aber emotionales Begreifen.

Fehler 5: Mangelnde Glaubwürdigkeit des Absenders
Empfehlung: Hüten Sie sich vor Personen, die wegen ihrer mangelnden direkten Beziehung zur Sache keine eigene Glaubwürdigkeit bei der Life-Sciences-Kommunikation aufweisen können. Wählen Sie als Sprecher nur jene sachverständigen Personen, welche selbst Beziehungsnähe zur oder Verantwortung für die zur Diskussion stehende Situation besitzen.
Bsp.: Firmensprecher ohne direkte Verantwortung haben wenig Glaubwürdigkeit. Das Gleiche gilt für verdeckte Lobbyisten, nicht aber für kompetente Interessenvertreter aus spezifischen Verantwortungs­bereichen.

Fehler 6: Technische Ausdrucksweise
Empfehlung: Wählen Sie die für Life-Sciences-Kommunikation zuständigen Personen sorgfältig aufgrund von Veranwortung und Eignung aus. Schulen Sie sie aber auch in einfacher und verständlicher Sprache. Belohnen Sie jegliche Anstrengungen in dieser Richtung und schützen Sie die Informationsverantwortlichen insbesondere nach Auftritten vor Kritik der Besserwisser.
Bsp.: Wissenschaftler reden in der Regel zu ihren 'peers', statt zum Publikum. Sie wollen nachher von ihnen gerühmt werden. Als erfolgreiche Kommunikatoren sind sie bei ihren 'peers' meist verdächtig.

Fehler 7: Verniedlichung durch falsche Beispiele
Empfehlung: Vermeiden Sie jegliches Herabspielen von möglichen Risiken durch Vergleiche, welche den Eindruck erwecken könnten, Sie würden weder das Risiko, noch Ihre Leser- oder Zuhörerschaft ernst nehmen.
Bsp.: "Schon die Ägypter benutzten Biotechnologie beim Bierbrauen". "Pflanzenzüchtungen sind das Gleiche wieGVO".

Fehler 8: Unüberlegte Wortwahl
Empfehlung: Worthülsen sind wesentlich. Sie vermitteln Information, schaffen unmittelbares Verständnis und machen Dinge "begreiflich". Alles, was mit "Techniken" zu tun hat, wirkt kalt, erinnert an Atomtechnik etc. Biologie, Medizin, Gesundheit sind "weiche"" Begriffe.
Bsp.: Risiko und Risikowahrnehmung sind nicht das Gleiche. Biologische Arzneimittelherstellung statt "Biotechnikum" vermittelt andere Wahrnehmungen.

Fehler 9: Zu wenig über Nutzen reden
Empfehlung: Kosten-/Nutzen- und Risiko-/Nutzenstudien beginnen immer unter negativen Vorzeichen. Bis man zum Nutzen kommt, sind die Meinungen über Kosten und Risiken bereits gemacht. Nutzenelemente müssen jedoch im Vordergrund stehen. Sie sind letztlich die 'raison d'être' von Life-Sciences-Aktivitäten.
Bsp.: Nutzen nicht allgemein quantifizieren, sondern individualisieren und somit für den Einzelnen begreifbar, nachfühlbar machen. Leider werden Risiken meist individualisiert, der Nutzen jedoch generalisiert.

Fehler 10: Risiken herunterspielen
Empfehlung: Es besteht die Tendenz, Risiken herunterzuspielen, was meist dazu führt, dass sie beim Adressaten noch grösser erscheinen. Wahrscheinlichkeiten zählen. Die Grösse und das Ausmass von Gefährdung sollten offen dargestellt werden. Man erreicht damit Glaubwürdigkeit und zugleich Risikoakzeptanz.
Bsp.: Risikovergleiche müssen nachvollziehbar sein. "Nebenwirkung etwa gleich wie ein Aspirin". "Eintrittswahrscheinlichkeit der Schädigung vergleichbar mit einem Lotto-Sechser".

Fehler 11: Zuviel versprechen
Empfehlung: Life-Sciences-Errungenschaften haben eine lange Vorlaufzeit. Leider wird jedoch meist zu viel zu rasch versprochen, so in der Gentherapie, bei massgeschneiderten Arzneimitteln, beim therapeutischen Klonen etc. Damit gehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren.
Bsp.: "Underpromise and overdeliver" als Grundmaxime. Lieber längere Entwicklungszeiten angeben und sich später ob vorzeitigem Eintreten des Erfolgs freuen.

Fehler 12: "Alles im Griff"-Mentalität
Empfehlung: Bei "Fortschritt" im Sinne des Fortschreitens in unbekannte Territorien der Life Sciences liegt es in der Natur der Sache, dass Überraschungen eintreten. Deshalb kann man nicht alles im Griff haben. Es muss aber gezeigt werden, was getan wird, um die Umkehrbarkeit von Unvorhersehbarem möglichst zu gewährleisten.
Bsp.: Bescheidenheit schafft Glaubwürdigkeit. "We are working on it", statt "Everything under control". Besonders wesentlich im Bereich der Nanobiotechnologie.


5. Zu den Referenten

Martin Hicklin, Wissenschaftsautor, Basler Zeitung

Koordinaten
Redaktion Basler Zeitung
Aeschenplatz 7
Postfach
CH-4002 Basel

Tel.: +41 (0)61 639 14 10
Fax: +41 (0)61 631 15 82
Email: martin.hicklin@baz.ch
Web: www.baz.ch

Curriculum vitae
ab 2004 Autor, Basler Zeitung
1983 bis Ende 2003 Stellvertretender Chefredaktor Basler Zeitung und Chef vom Dienst, u. a. verantwortlich für die Informatisierung der BaZ-Redaktion, Produktionsleitung, immer Partner in der Baz-Wissenschaftsredaktion
1979 Chef vom Dienst BaZ
1977 nach Fusion National-Zeitung mit den Basler Nachrichten, Redaktor Wissenschaft, stellvertretender Chef vom Dienst
1976 zusätzlich Dienstchef Lokalredaktion National-Zeitung
1975 Leiter Ressort Information National-Zeitung
1971 feste Anstellung als Wissenschafts- und Nachrichtenredaktor National-Zeitung
ab 1964 Mitarbeit in der Redaktion der National-Zeitung, Forschung und Technik, Lokales, Nachrichtenredaktion in der Nacht
1962 Beginn Studium der Chemie und später Zoologie an der Uni Basel
(1965 abgebrochen zugunsten Zeitungsarbeit)
1962 Maturität Humanistisches Gymnasium Basel
1961 Gelegenheitsarbeit in Korrektur der damaligen National-Zeitung

Schulen in Basel
Geboren am 12.06.1943 in Arlesheim, BL

Seit Gründung Mitglied des Schweizer Klubs der Wissenschaftsjournalisten, zeitweise im Vorstand als Kassier und Vizepräsident

Vater von drei erwachsenen Kindern (zwei Töchter, ein Sohn), alle in Ausbildung

 

Theophil Pfister, Nationalrat, Präsident WBK

Koordinaten
Meierseggstrasse 43
CH-9230 Flawil

Tel.: +41 (0)71 393 36 60
Mobile: +41 (0)79 466 45 66
Email: thpfister@bluewin.ch
Web: www.theophil-pfister.ch

Curriculum vitae
Geboren am 16.07.1942 in Uster, ZH

Ausbildung und Tätigkeiten
a) Landwirtschaftliche Lehre
b) Mechaniker
c) Maschinenkonstrukteur (berufsbegleitend)
d) Fachlehrer
e) Informatiker
1963 - 1967 Zellweger AG Uster, Abteilung Telekommunikation Funk,
Bau von Funkgeräten (SE415) und Verkehrsradargeräten
1967 - 1990 Fachlehrer Landw. Schule Flawil, Landtechnik
1990 - 1996 Informatiker, Programmierer, Leiter Bürokommunikation in mittelgrosser Unternehmung
1997 Ausbildung zum Webmaster
ab 1997 Selbständiger Informatiker
ab 1999 Nationalrat SVP, St. Gallen
Mitglied der Finanzkommission NR
Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur WBK-NR
bis April 2002 Präsident der Medienkommission SVP
ab April 2002 Präsident der Bildungskommission SVP
ab 2004 Präsident der WBK-NR

Nebenberuflich
1967 - 1976 Mitglied der Schützen-Nationalmannschaft
1976 - 1983 Leiter der Schweizerischen Langwaffen-Schiessschule
1979 - 1083 TK-Präsident des Schweizerischen Matchschützenverbandes
1988 - 2004 Präsident des Verbandes für Landtechnik St. Gallen
1998 - 2004 Aufsichtskommission Kantonsschule Burggraben

 

Prof. Gottfried Schatz, Präsident SWTR 2000 - 2003

Koordinaten
Unterer Rebbergweg 33
CH-4153 Reinach

Tel.: +41 (0)61 711 27 95
Fax: +41 (0)61 711 24 48
Email: gottfried.schatz@unibas.ch

Kurzbiografie
Gottfried Schatz wurde am 18. August 1936 in Strem, einem kleinen österreichischen Dorf nahe der ungarischen Grenze geboren. Er studierte in Graz Chemie und forschte dann als Biochemiker an der Universität Wien und am Public Health Research Institute der Stadt New York. Im Jahre 1968 emigrierte er mit seiner Familie in die USA und übernahm an derCornell University in Ithaca (Staat New York) eine Professur für Biochemie. Sechs Jahre später kehrte er nach Europa zurück, um am neu gegründeten Biozentrum der Universität Basel zu arbeiten und es auch für einige Jahre zu leiten.

Nach seiner Emeritierung im Jahre 1999 präsidierte er während vier Jahren den Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat (SWTR), ein unabhängiges Beratungsgremium des Schweizer Bundesrates. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen sowie zwei Ehrendoktorate und ist Mitglied vieler wissenschaftlicher Akademien in der ganzen Welt. Als Student und junger Assistent war er nebenher auch als Geiger im Grazer Philharmonischen Orchester und an österreichischen Opernhäusern tätig. Seine dänische Frau und er haben drei Kinder.

 

Prof. Walter P. von Wartburg, Dr. iur., Advokat, LL.M.

Koordinaten
Law & Life Sciences
Gellertstrasse 19
CH-4020 Basel

Tel.: +41 (0)61 373 88 60
Fax: +41 (0)61 373 88 61
Email: wpvonwartburg@mac.com
Web: www.vwb.chwww.corporate-reputation-network.com

Curriculum vitae
Geboren 26.8.1939; Rechtsstudium an den Universitäten in Basel, Paris, Princeton und Harvard; Dr. iur. 1963; Anwaltsexamen 1964 in Basel; 1965/66 Rechts- und Wirtschaftsstudium an der Universität Princeton und an der Harvard Law School; LL.M. 1966. Stanford Senior Executive Program, 1987. Professor für Gesundheitspolitik an der Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozial­wissenschaften, St. Gallen; Autor verschiedener Bücher und Artikel über gesundheitspolitische Themen, Issues Management und Business Administration.

Praktizierender Anwalt; Gründer der Corporate Reputation Management AG, Basel; bis 1999 Mitglied der Geschäftsleitung Novartis als Head Corporate Communications; verschiedene VR Mandate in CH- und US-Unternehmen.
Beratungsschwerpunkte: strategische Kommunikation, Reputationssicherung, Dilemma- und Krisenkommunikation auf Führungsebene.

Gründungspräsident der Schweizerischen Stiftung PRO MENTE SANA; langjähriger Präsident der Theater Basel; Co-Präsident der Europäischen Kulturstiftung PRO EUROPA, Mitglied des Advisory Council des Bologna Center of the Paul H. Nitze School of Advanced International Studies (SAIS) Bologna; Member of the Bioethics Committee der Johns Hopkins University, Baltimore.

Verheiratet, drei Kinder.


6. Teilnehmerliste

  • Beat Glogger, Wissenschaftsjournalist, Scitec-Media GmbH
  • Martin Hicklin, Wissenschaftsautor, Basler Zeitung
  • Nationalrat Theophil Pfister, Präsident WBK
  • Prof. Gottfried Schatz, Präsident SWTR 2000 - 2003
  • Prof. Walter P. von Wartburg, Law und Life Sciences, Basel
  • Dr. Roger Aeschbacher, aeschbacher consulting
  • Leo Bättig, Young European Biotech Network (YEBN)
  • Urs Bigler, Novartis Pharma Schweiz
  • Dr. Roland Bilang, Burson-Marsteller AG
  • Dr. Claudine Blaser, Cytos Biotechnology AG
  • Mathis Brauchbar, advocacy ag
  • Prof. Richard Braun, Stiftungsrat Gen Suisse
  • Gian-Andri Casutt, Stiftung Science et Cité
  • Dr. Klaus-Jörg Dogwiler, Swissmedic
  • Nationalrätin Christine Egerszegi, Vizepräsidentin Gen Suisse
  • Dr. Arthur Einsele, Internutrition
  • Monika Fischer, Young European Biotech Network (YEBN)
  • Richard Gamma, SGCI
  • Prof. Peter Gehr, Präsident Gen Suisse
  • Prof. André Häberli, Departement Klinische Forschung, Universitäts-Kinderklinik, Bern
  • Markus Hardegger, BLW
  • Danièle Héritier, Stiftung Science et Cité
  • Dr. Christian Heuss, Schweizer Radio DRS 2
  • Markus Hofmann, NZZ
  • Helen Jaisli, SNF
  • Prof. Georg Karlaganis, BUWAL
  • Dr. Martin T. Küenzi, Präsident EFBS
  • Nationalrat Josef Kunz
  • Julia Link, Sekretariat EFBS
  • Prof. Johannes Locher, Stiftungsrat Gen Suisse
  • Dr. Jan Lucht, Internutrition
  • Dr. Christian Manzoni, Interpharma
  • Pamela Marti, Gene Peace, Institut für Immunologie, Bern
  • Prof. Pascal Mäser, Institut für Zellbiologie, Universität Bern
  • Dr. Erika Meili-Bucheli, SNF
  • Prof. Hansjakob Müller, Stiftungsrat Gen Suisse
  • Stephanie Musshafen, Prionics AG
  • Peter Rusterholz, Agroscope FAW Wädenswil
  • a. Nationalrätin Eva Segmüller, Stiftungsrätin Gen Suisse
  • Prof. Beda Stadler, Stiftungsrat Gen Suisse
  • Christine Stähli, Burson-Marsteller AG
  • Dr. Peter Studer, Präsident Schweizerischer Presserat
  • Philippe Trinchan, SNF
  • Dr. Denise Tschamper, Agroscope FAL Reckenholz
  • Anita Vonmont, SNF
  • Kurt Bodenmüller, ehem. Geschäftsführer Gen Suisse
  • Adrian Heuss, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Gen Suisse