Prof. Dr. Michael Detmar, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, ETH Zürich

Mai 2014

Wie wird verhindert, dass sich ein Tumor im Körper ausbreitet oder wie können entzündliche Hautreaktionen geheilt werden? Fragen, die das Team von Prof. Michael Detmar beschäftigen. Die Publikationsliste des Mediziners erscheint endlos – viele Erkenntnisse aus seiner Grundlagenforschung werden bereits heute in klinischen Studien auf ihre Anwendbarkeit am Menschen getestet.

Krebs zählt neben Herz- und Gefässkrankheiten zu den häufigsten Krankheiten mit tödlichem Ausgang. Insbesondere wenn der Krebs metastasiert (sich ausbreitet), stehen die Chancen auf Heilung für die Patienten oft schlecht. Daher ist es entscheidend, den Tumor frühzeitig zu erkennen und zu identifizieren, inwieweit er sich bereits ausgebreitet hat. Prof. Detmar und sein Team haben mit ihrer Forschung erheblich zum Verständnis der Metastasierung beigetragen und ein bildgebendes Verfahren entwickelt, um die Ausbreitung eines Tumors frühzeitig zu erkennen.

Das Lymphgefäss hat im Körper die Aufgabe, die Lymphe (Gewebewasser) aus den Geweben abzutransportieren. Lymphknoten dienen dabei als Filter. «Bei der Ausbreitung von Tumoren spielt das Lymphgefäss eine entscheidende Rolle», erklärt Prof. Michael Detmar und ergänzt: «Haben sich Metastasen erst einmal in den Lymphknoten angesiedelt, können sich die Krebszellen im ganzen Körper ausbreiten.» Metastasen können zudem den Lymphfluss zum Lymphknoten blockieren und müssen sich dann einen neuen Weg durch das Gewebe suchen. Dies kann falsch interpretiert werden und zum Übersehen von Metastasen bei Patienten führen. Mit einem neuen bildgebenden Verfahren, dem sogenannten «Near Infrared Imaging» ist es der Gruppe von Prof. Detmar erstmals gelungen, Lymphgefässe detailliert darzustellen und blockierte Wege zu erkennen. Die im Mausmodell gezeigten Erkenntnisse müssen noch in klinischen Studien bestätigt werden. «Falls das Verfahren offiziell zugelassen wird, könnte dies die Diagnose entscheidend verbessern», betont Prof. Detmar.

Neben der Früherkennung von Tumoren versucht man zudem, die Ausbreitung von Tumoren einzudämmen. Eine Möglichkeit besteht dabei in der Unterdrückung der Metastasierung durch Medikamente. In einem systematischen Testverfahren untersuchten Prof. Detmar und sein Team daher im Jahr 2012 über 1000 chemische Substanzen auf ihre Wirksamkeit, das Wachstum von Lymphgefässen zu unterbinden. Sie stiessen bei ihrer Suche auf eine sehr bekannte Substanzklasse, die Statine, welche heute bereits in der Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt werden. Erste Studien bestätigten die wachstumshemmende Wirkung der Statine auf Lymphgefässe.

Neben der Erforschung von Krebs interessiert sich die Gruppe von Prof. Detmar auch für die Analyse chronisch entzündlicher Hautkrankheiten wie der Schuppenflechte (Psoriasis). Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leidet an Psoriasis. Bisher kann man die Symptome lediglich lindern, eine Heilung der Krankheit ist nicht möglich. «Wir haben im Mausmodell gezeigt, dass eine Blockade des Proteins VEGF-A, welches im Körper die Teilung von Endothelzellen stimuliert, die Entzündungsreaktion unterdrücken kann», sagt Prof. Detmar. Mit Hilfe dieser Entdeckung ist es nun möglich, Medikamente zu entwickeln, welche das Protein in den betroffenen Hautstellen gezielt inaktivieren, um den Betroffenen dauerhaft zu helfen. Die Gruppe testet nun, ob möglicherweise noch weitere entzündliche Hautkrankheiten auf eine Blockade von VEGF-A ansprechen.

Prof. Michael Detmar wurde 1957 in Stuttgart geboren und studierte Medizin an der Universität Freiburg sowie an der Universität Wien. Er spezialisierte sich für das Fach Dermatologie. Als Assistenzprofessor und dann als Associate Professor war er von 1993 bis 2006 an der Harvard Medical School in Boston tätig, bevor er im Jahr 2004 an die ETHZürich berufen wurde. Heute ist er dort als ordentlicher Professor für den Bereich Pharmakogenomik angestellt.

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