Stellungnahme der Stiftung GEN SUISSE zur Verordnung über genetische Untersuchungen beim Menschen

Juni 2006

1. Allgemeine Bemerkungen

Die Stiftung Gen Suisse erachtet die Gesetzgebung über genetische Untersuchungen beim Menschen als wichtig. Die Anzahl genetischer Untersuchungen hat stark zugenommen und steigt weiterhin an. Auch die Breite der Anwendungspalette ist immens. Genetische Untersuchungen werfen ethische und gesellschaftliche Fragen auf: Was bedeutet das Wissen um seine genetischen Varianten für den Menschen? Wie gehen wir mit genetischen Daten um? Führen Gentests zur Auswahl von "wertem" und "unwertem" Leben? Wie kann der einzelne Mensch vor Missbräuchen geschützt werden, z.B. im Arbeits- oder Versicherungsbereich? Die Stiftung Gen Suisse, die sich seit 15 Jahren mit einem verantwortungsvollen Umgang der Gentechnik auseinandersetzt, hält insbesondere zwei Aspekte für zentral: Einerseits muss die Durchführung von Gentests qualitativ hoch stehend ausgeführt werden und von einer genetischen Beratung durch eine dafür umfassend ausgebildete Fachperson begleitet werden. Angesichts der ethischen und gesellschaftlichen Fragen zu genetischen Untersuchungen, aber auch angesichts des grossen Unwissens bzw. Fehl-Wissens in der Bevölkerung im Bereich Genetik/"rote Gentechnik" ist andererseits zu fordern, dass eine breite und fundierte öffentliche Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Gendiagnostik geführt wird. Die Stellungnahme von Gen Suisse orientiert sich an diesen beiden Kernpunkten.

2. Bemerkungen zu einzelnen Artikeln

Art 1 Bst a

Die aufgeführten Bestimmungen zeigen, dass die Verordnung auf die Sicherung einer hohen Qualität der Tests abzielt. Dies begrüssen wir. Gleichzeitig bemängeln wir, dass die GUMV einseitig die eigentlichen Laboruntersuchungen ins Zentrum stellen. Zu begrüssen wäre, ebenfalls die Qualität der gesamten Beratung und Betreuung der von der genetischen Untersuchung betroffenen Person sicherzustellen. Dies auch angesichts Art 2 des GUMG, das als Zweck des Gesetzes "die Qualität der genetischen Untersuchungen und der Interpretation ihrer Ergebnisse sicherzustellen" nennt.

Art 3 - Art 5

Neben den Anforderungen an Laborpersonal sollte auch die Anforderung an die Personen, welche die genetische Untersuchung veranlasst und die untersuchte Person informiert und betreut, in den Verordnungen formuliert werden. Im GUMG wird in Art 13 Abs. 2 vorgeschrieben, dass präsymptomatische und pränatale Untersuchungen sowie Untersuchungen zur Familienplanung nur von Ärzten mit entsprechender Weiterbildung durchgeführt werden dürfen. In den Verordnungen erwartet man dazu Präzisierungen. Es sind geeignete Weiterbildungen für Fachärzte Medizinische Genetik und weitere im Bereich tätige Personen anzuführen. Angesichts der geringen Fallzahl bei seltenen Erbkrankheiten ist zudem der Vernetzung national wie insbesondere auch international breites Gewicht zu geben. Damit Personen, die eine genetische Beratung benötigen, überhaupt von den Spezialisten betreut werden können, gilt es auch, medizinische Grundversorger mit der nötigen Sorgfalt im Bereich Genetik aus- und fortzubilden. Dies ist insbesondere von Wichtigkeit, da gemäss Art. 13 Abs. 1 GUMG auch Ärzte ohne entsprechende Weiterbildung genetische Untersuchungen veranlassen können.

Art. 16

Gen Suisse begrüsst die Bestimmungen zur Entgegennahme von Aufträgen.

Art 18 und 19

Die Bestimmungen zur Weitergabe von Patientendaten und biologischem Material in pseudonymisierter Form erachten wir als ungeeignet. Aufgrund der oft sehr seltenen Krankheiten müssen verschiedene Tests im Ausland durchgeführt werden. Dazu werden oft detaillierte Informationen über den Probanden benötigt, wodurch eine Pseudonymisierung wenig Sinn macht. Auch ist zu gewährleisten, dass Angehörige/ Nachkommen - selbstverständlich mit dem Einverständnis der Untersuchten - auch nach Jahren sicher an Informationen gelangen können. Im Humanforschungsgesetz werden die Begriffe zudem anders verwendet. Es sollte daher eine angepasste Lösung vorgeschlagen werden.

Art. 25

Das Kapitel "Information der Öffentlichkeit" ist nach Ansicht der Stiftung Gen Suisse zu schlank geraten. Nötig ist eine Förderung der Information und Aufklärung der Bevölkerung über genetische Untersuchungen, deren Vor- und Nachteile, die Möglichkeiten und Grenzen. Zudem erachten wir die Sensibilisierung der Bevölkerung über die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen, die von einer genetischen Krankheit betroffen sind, als wichtig.

Art 27 - 34

Den Einsatz einer Expertenkommission, wie im GUMG vorgesehen, begrüssen wir sehr. An die Zusammensetzung der Expertenkommission werden allerdings sehr hohe Anforderungen gestellt. Die Praxis wird zeigen, ob die an sich zu begrüssende Vielfalt nicht kontraproduktiv wirkt bezüglich der ebenfalls zu stellenden Forderung, dass die Kommissionsmitglieder mit dem Bereich der genetischen Untersuchung gut vertraut sein müssen.

Anhang 1

Angesichts der Vielzahl genetischer Erkrankungen und vor allem auch sehr seltener Krankheiten, erachten wir es als schwierig, eine Aufzählung in der momentanen Form zu erstellen. Da nie alle Krankheiten abschliessend aufgelistet werden können, muss auf weitere Krankheiten verwiesen werden.

Bern, 02. Juli 2006

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