Grün, blau und rot eingefärbte Blasentumor-Organoide.
Bild: Martina Minoli / Marianna Kruithof-de Julio

Mit einem Tumor-Avatar gezielter gegen Blasenkrebs

Medikamente an Organoiden testen, bevor die Chemotherapie beginnt: Dies testet eine Studie am Spitalzentrum Biel.

Seit 20 Jahren behandelt Roland Seiler Patientinnen und Patienten, die an Blasenkrebs erkrankt sind. Nun hat für den Chef-Urologen des Spitalzentrums Biel ein neues Kapitel auf diesem Gebiet begonnen: mit Organoiden – kleinsten, organähnlichen Strukturen, die aus dem Tumorgewebe der jeweiligen Patienten gezüchtet werden.

Diese Avatare sollen dem Arzt helfen, für den individuellen Patienten das richtige Medikament zu wählen. «Anstatt einer Behandlung, wie jeder sie bekommt, können wir verschiedene Medikamente testen und dem Patienten letztlich dasjenige geben, das am besten wirkt», sagt Roland Seiler.

Personalisierte Onkologie

Wie bei vielen Krebsarten sind auch beim Blasenkrebs die Krebszellen genetisch sehr verschieden. Jede Person und jeder Tumor reagieren unterschiedlich auf eine bestimmte Behandlung. «In der Klinik werden standardmässig vier verschiedene Medikamente eingesetzt», erklärt Roland Seiler. «Dies geschieht jedoch ziemlich willkürlich – etwa nach Verfügbarkeit in einem Spital oder Vorliebe des behandelnden Arztes –, nicht aber gezielt nach biologischen Merkmalen.» Weniger als 30 Prozent der Patienten sprechen derzeit auf die Standard-Medikation an.

Das soll eine Organoid-Studie ändern. Im Zeitraum zwischen der operativen Entfernung des Tumors und der anschliessenden Chemotherapie mittels Blasenspülung werden aus dem Tumorgewebe kleine Mini-Avatare gezüchtet. An diesen werden die Medikamente getestet. Das Verfahren wird zurzeit in Biel erprobt – in einer laufenden klinischen Studie, in die 34 Patientinnen und Patienten eingeschlossen werden sollen. Vier Patienten hat Seiler bereits behandelt.

SRF

Den Datenschatz heben

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Abgebildet ist eine Kryo-EM-Karte eines Fanzor-Proteins (grau, gelb, hellblau und rosa) im Komplex mit ωRNA (lila) und seiner Ziel-DNA (rot). Ein Nicht-Ziel-DNA-Strang ist blau dargestellt.

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