Eizellspende in der Schweiz

Die Schweiz und Deutschland gehören zu den wenigen Ländern in Europa, in denen die Eizellenspende verboten ist. Die Spende von Samenzellen hingegen ist in der Schweiz erlaubt und seit 2001 gesetzlich geregelt. Das entsprechende Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) hat mit der Ermöglichung der Präimplantationsdiagnostik 2017 zwar eine Anpassung erfahren, ist in seinen Grundlagen aber bereits über 20 Jahre alt.

Gleichstellung von Mann und Frau

Die neuen Möglichkeiten in der Fortpflanzungsmedizin sowie der gesellschaftliche Wertewandel verlangen nach einer zeitgemässen Anpassung des FMedG. Es gibt keine stichhaltige Begründung für die Ungleichbehandlung der beiden Arten von Keimzellen; Frauen sollten also die gleichen Rechte wie Männer erhalten und ihre Eizellen spenden dürfen. Nur so kann verhindert werden, dass die biologische Mutterschaft geringer gewichtet wird als die biologische Vaterschaft und entsprechend Frauen, die keine Eizellen haben und Männerpaare von einer Elternschaft ausgeschlossen werden.

Auslandstourismus verhindern

Schätzungen zufolge reisen jährlich hunderte Paare aus der Schweiz ins Ausland, um sich dort mittels Eizellenspende den Kinderwunsch zu erfüllen. Eine Legalisierung der Eizellenspende in der Schweiz würde somit nicht nur die Ungleichbehandlung von Mann und Frau in der Fortpflanzungsmedizin beenden, sondern es Betroffenen auch ermöglichen, medizinische Dienste im Inland mit gesicherten Standards in Anspruch zu nehmen. Dies würde dem Fortpflanzungstourismus entgegenwirken und die Qualität der Eingriffe sichern.

Welche medizinischen Gründe erfordern eine Eizellspende?

  • Primäre oder vorzeitige Ovarialinsuffizienz (Krebs, bestimmte Autoimmunerkrankungen, Erbkrankheiten (z.B. Turner-Syndrom), schwere Infektionen)
  • Erbkrankheiten der Frau, die an den Nachwuchs weitergegeben werden können und die sich anhand der Techniken der genetischen Präimplantationsdiagnostik nicht feststellen lassen
  • Frauen, bei denen eine In-vitro-Fertilisation mit eigenen Eizellen mehrfach fehlgeschlagen ist
  • Frauen mit schwerer Endometriose
  • Wiederholte Fehlgeburten
  • Frauen mit Krankheiten, bei denen von einer ovariellen Stimulation abzuraten ist
  • Fortgeschrittenes Alter und entsprechend niedrigere Schwangerschaftsrate (ab 43 Jahren)

Wie viele Frauen würden von der Möglichkeit, die Eizellspende in der Schweiz durchführen zu können profitieren?

Der Bedarf an Eizellenspenden in der Schweiz ist beträchtlich: Ein Gutachten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nennt für 2019 516 bestätigte Fälle (Quelle: Studie «Transnationale reproduktive Mobilität aus der Schweiz»). Die Dunkelziffer ist jedoch hoch, weshalb Schätzungen von doppelt so vielen Fällen ausgehen. Christian De Geyter, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Reproduktionsmedizin am Unispital Basel, schätzt die Zahl der Geburten von Frauen, die sich im Ausland einer Eizellenspende unterzogen haben, auf 250 bis 500 pro Jahr.

Eizellspende: gesundheitliche Risiken sind gering

Die Eizellenspende ist ein eher aufwändiger Prozess, der dank der heute verfügbaren Verfahren jedoch nur sehr geringe gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

 

Die Stiftung Gen Suisse setzt sich für die Legalisierung der Eizellenspende und die Modernisierung des Gesetzes in der Schweiz ein.