Grüne Gentechnologie

Die Grüne Gentechnik wird in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich angewendet. Unter dem Begriff versteht man Verfahren, mit denen man gezielt Gene in das Erbgut von Pflanzen übertragen kann. So zum Beispiel, dass der Ertrag von Samen und Früchten höher ist, die Pflanzen eine bestimmte Grösse oder Blütenfarbe erreichen oder dass sie gegen Kälte oder Krankheiten resistent sind.

Über die Jahre haben sich die Zuchtmethoden verändert. Hat der Mensch am Anfang Pflanzen mit zufällig entstandenen Eigenschaften ausgelesen, begann er bald Sorten miteinander zu kreuzen, um deren Merkmale in einer Pflanze zu vereinen. Zum Beispiel entstand durch die Kreuzung von Schlehe und Kirschpflaume die Zwetschge. Mit dieser Methode dauert es bis zu 30 Jahre, bis eine neue Pflanzensorte entwickelt ist. Heute kann ein Züchter auf schnellere Methoden zurückgreifen. Zum Beispiel werden Pflanzen mit radioaktiven Strahlen beschossen oder mit erbgutverändernden Chemikalien behandelt. Die entstandenen Mutanten mit den gewünschten Eigenschaften werden ausgesucht und weiter vermehrt.

Mit der Entdeckung von verschiedensten molekularbiologischen Tests (Gentechnik) wurde auch die klassische Zucht einfacher. Dort setzt man die Testverfahren ein, um gezielt nach den ausgelösten Veränderungen im Erbgut zu suchen. So lässt sich die „Nadel im Heuhaufen“ der mutierten Gene schneller finden und Gene für Giftstoffe oder Allergene können gemieden werden.

Die Gentechnik kann aber auch eingesetzt werden, um das Erbgut der Pflanzen gezielt zu verändern. Auch hier werden die gleichen Ziele wie bei der Züchtung verfolgt: Neue Pflanzensorten sollen resistent sein gegen Schädlinge und Infektionen oder auch unter widrigen Bedingungen wie Kälte oder Trockenheit wachsen. Der Unterschied zu herkömmlichen Verfahren ist, dass gezielt einzelne Gene im Erbgut der Pflanze verändert werden können. Mehr Informationen über die Technik und ihre Anwendungen gibt es in der Gentechnik Broschüre.

Neue Züchtungsmethoden, wie beispielsweise die zielgerichtete Veränderung hin zu einem Resistenzgen der Wildpflanze mit Hilfe der sogenannten Genschere CRISPR-Cas, sind viel präziser als herkömmliche Züchtungsmethoden. Pflanzen, die einfache, mit neuen gentechnologischen Methoden gezielt hergestellte Veränderungen enthalten und in die keine Fremdgene eingefügt wurden, sind von konventionell gezüchteten Pflanzen nicht zu unterscheiden und genauso sicher.

Situation in der Schweiz

Der Bundesrat will das Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in der Landwirtschaft um vier Jahre verlängern. Das Moratorium gilt auch für Produkte aus neuen gentechnischen Verfahren. An seiner Sitzung vom 11. November 2020 hat der Bundesrat beschlossen, den Entwurf einer entsprechenden Änderung des Gentechnikgesetzes (GTG) in die Vernehmlassung zu schicken. Die Vernehmlassung lief bis 25. Februar 2021. Die Ergebnisse wurden im Rat noch nicht behandelt.

Links:

Interview mit Prof. Dr. Wilhelm Gruissem und Reto Brennwald, Mai 2021

Artikel: Gentech-Moratorium: Die Chronologie des Heuchelns, Nebelspalter, 2.7.2021

20.4150 Interpellation NR Eymann
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20204150

19.4225 Motion Aebi
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20194225

Mitteilung des Bundesrates
https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-81106.html