Xenotransplantation: Mensch lebt seit 3 Tagen mit Schweineherz

Baltimore – Erneut haben US-Chirurgen die Öffentlichkeit mit dem Bericht über eine Xenotransplan­tation beim Menschen überrascht. Im Oktober vergangenen Jahres hatten Mediziner in New York den Kreislauf einer hirntoten Patientin vorübergehend mit der Spenderniere eines genmodifizierten Schweins verbun­den. Jetzt berichten Mediziner einer Klinik in Baltimore über die Transplantation eines Schweineherzens auf einen Menschen. Informationen über die wissenschaftlichen Hintergründe sind noch spärlich.

Die University of Maryland School of Medicine on Baltimore gab gestern in einer Pressemitteilung be­kannt, dass ein Team um den Herzchirurgen Bartley Griffith am vergangenen Freitag in einer 8-stündigen Operation einem 57-jährigen Patienten mit einem arrhythmiebedingten Herzversagen das Herz eines Schweins implantiert hat. Der Patient war gestern nach 3 Tagen am Leben und soll Presse­mel­dungen zufolge ansprechbar sein.

Laut der Pressemitteilung der Klinik war der Patient vor mehr als 6 Wochen mit lebensbedrohlichen, also ventrikulären Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er war dort an einer Herz-Lungen-Maschine angeschlossen worden und wurde über eine extrakorporale Membranoxy­genierung (ECMO) mit Sauerstoff versorgt. Ein menschliches Spenderorgan stand laut der Klinik nicht zur Verfü­gung. Wegen der Herzrhythmusstörungen sei eine künstliche Herzpumpe nicht infrage gekom­men, heißt es.

Bei der Transplantation kam offenbar erneut ein Organ aus dem genetischen Zuchtprogramm GalSafe der Firma Revivicor zum Einsatz, einem Tochterunternehmen von United Therapeutics aus Silver Spring / Maryland. Auch das Team um Robert Montgomery vom Langone Trans­plant Institute der New York Uni­versität in Man­hattan hatte im Oktober ein Organ von GalSafe-Schweinen verwendet.

Die Forscher hatten eine Niere auf dem Oberschenkel befestigt und mit dem Kreislauf einer hirntoten Frau verbunden. Die Niere hatte dann über 54 Stunden Urin produziert. Die New Yorker Mediziner berich­teten im Dezember über einen zweiten offenbar erfolgreichen Versuch.

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